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  • Adèle Thorens

Der Übergang zu einer grünen Wirtschaft erfordert einen «Übergang der Fähigkeiten»

2. Blog der Präsidentin der OdA Umwelt, Adèle Thorens

Das Nationale Forschungsprogramm 73 (NFP 73) hat fünf Jahre lang Wege erforscht, wie der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft vollzogen werden kann. Diese Wirtschaft sollte die natürlichen Ressourcen schonen, das soziale Wohlergehen fördern und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz ermöglichen.


Einer der Forschungsschwerpunkte des NFP 73 befasste sich mit den Herausforderungen, die dieser Übergang für den Arbeitsmarkt mit sich bringt. Die Ergebnisse sind in dem Buch «Umbau der Schweiz in eine «Grüne Wirtschaft»: Herausforderungen für den Arbeitsmarkt» von Rolf Weder und Wolfgang Kägi zusammengefasst.


Die Studie unterstreicht die Bedeutung der Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit angemessenen Umweltkenntnissen für den Übergang zu einer grünen Wirtschaft. Der Übergang zur grünen Wirtschaft bedeutet, dass Unternehmen in fast allen Branchen ihre Produktionsprozesse und Produkte umweltfreundlicher gestalten müssen. Dies wird sich stark auf die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragten Qualifikationen auswirken.


Qualifikationen im Bereich MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und Ingenieurwesen werden in diesem Zusammenhang schon heute besonders hoch bewertet, aber nicht nur. Der ökologische Wandel als Veränderungsprozess erfordert auch zahlreiche Managementqualifikationen, wie z. B. die Leitung und Organisation von Prozessen, Qualitätsmanagement, Teamarbeit oder Monitoring. Schliesslich werden «Soft Skills» oder Querschnittskompetenzen genannt, wie Überzeugungs- und Kommunikationsfähigkeit, Zielstrebigkeit, Problemlösungsorientierung sowie Unternehmer- und Innovationsgeist. Diese «weichen» Kompetenzen sind für die Umsetzung des Übergangs zu einer grünen Wirtschaft ebenso notwendig wie spezialisierte oder technische Kompetenzen.


Werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit diesen Qualifikationen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, um den Bedarf der Unternehmen zu decken? Die Studie zeigt, dass unsere Wirtschaft im internationalen Vergleich in dieser Hinsicht recht gut aufgestellt ist. Eine relativ grosse Zahl von Erwerbstätigen verfügt bereits heute über Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen würden, die Aufgaben zu übernehmen, die im Zuge des Übergangs zu einer grünen Wirtschaft häufiger verlangt werden.


Allerdings sollte man sich nicht zu früh freuen. Schon jetzt lässt sich feststellen, dass in den Sektoren mit hohem «grünem» Potenzial qualifizierte Personen besonders gefragt sind. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf technische und ingenieurwissenschaftliche Kompetenzen im Zusammenhang mit dem MINT-Bereich. Die Nachfrage nach «grünen» Qualifikationen dürfte zudem noch stark ansteigen, wenn die Behörden die aktuellen Massnahmen der Klima- und Umweltpolitik verstärken. Nur ein Beispiel: Laut dem Bundesamt für Energie müssten jährlich 30'000 Heizungen, die auf fossilen Energieträgern basieren, durch Heizungen mit erneuerbaren Energien ersetzt werden, wenn die Schweiz ihre Klimaziele erreichen will. Eine stärkere Förderung in diesem Bereich hätte grosse Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.


Angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen, aber auch der ökologischen Ansprüche der Konsument/innen, unterstreicht die Studie die Notwendigkeit neuer Aus- und Weiterbildungsangebote. Sie müssen es jungen Menschen, aber auch bereits berufstätigen Fachkräften ermöglichen, die notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Diese Ausbildungsgänge sind auch unerlässlich, um die neuen «grünen» Kompetenzen zu standardisieren und es den Arbeitgebenden zu erleichtern, Mitarbeitende zu finden, die ihren Erwartungen entsprechen.


Die Autoren der Studie betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer öffentlichen Intervention, da die Verantwortung für diesen «Qualifikationsübergang» nicht allein den Wirtschaftszweigen überlassen werden kann. Ohne ein solches Eingreifen besteht die Gefahr, dass es in bestimmten Schlüsselbereichen zu einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften kommt, was dazu führen würde, dass der Übergang zu einer grünen Wirtschaft verlangsamt wird. Dies wäre für unser Land sicherlich sehr schädlich. In einem Umfeld, in dem umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen für die Verbraucher immer attraktiver und die Rahmenbedingungen für grüne Pioniere immer günstiger werden, werden die wettbewerbsfähigsten Unternehmen diejenigen sein, die sich am schnellsten in die richtige Richtung entwickeln können.


Mit ihren Mitgliedern und Partnern begleitet die OdA Umwelt Jugendliche und Berufsleute, die Umweltkompetenzen erwerben möchten, sowie Arbeitgebende bei der Suche nach qualifiziertem Personal. Unterstützen Sie uns, indem Sie Partner oder Unterstützer unserer Organisation werden!



Buch_Gruene_Wirtschaft
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siehe auch Blog-Beitrag vom 16.09.2021

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