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  • Adèle Thorens

Übergang zur Kreislaufwirtschaft: Neue Fähigkeiten und neue Arbeitsplätze

Blog der Präsidentin der OdA Umwelt, Adèle Thorens

Unsere Wirtschaft steht vor einer grossen Transformation. Wir müssen von einer linearen Wirtschaft («Wegwerfwirtschaft») zu einer Kreislaufwirtschaft übergehen. Die aktuelle lineare Wirtschaft führt uns in eine Sackgasse. Sie baut grosse Mengen an Rohstoffen ab, macht daraus Massenkonsumgüter, die dann, oft billig und mit viel Marketing, verkauft und dann schnell weggeworfen werden, um durch andere ersetzt zu werden. Die Folge ist eine erhebliche Verschwendung von Ressourcen, Verschmutzung verschiedenster Art und die Produktion von Abfallbergen.


Die Kreislaufwirtschaft hingegen zielt darauf ab, den Ressourcenverbrauch, die Umweltverschmutzung und den Abfall zu reduzieren. Sie ist inspiriert von der zyklischen Funktionsweise der Natur. Produkte sind so konzipiert, dass sie den Ressourcenverbrauch im Vorfeld reduzieren und am Ende ihrer Lebensdauer schadlos entsorgt werden können. Ihre Nutzung muss auch längerfristig sein: Qualitätsprodukte, Wiederverwendung, Reparatur und gemeinsame Nutzung werden gefördert. Schliesslich werden die Materialien so spät wie möglich recycelt. Materialien, die in Wirtschaftskreisläufen nicht mehr wiederverwendet werden können, müssen in natürliche Kreisläufe reintegriert werden, ohne sie zu schädigen.


Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft wird erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigung und auf die auf dem Arbeitsmarkt benötigten Qualifikationen haben. Es werden neue Arbeitsplätze entstehen und viele bestehende Berufe können sich verändern. Generell erfordert die Kreislaufwirtschaft von den Wirtschaftsakteuren eine umfassendere Sichtweise, die die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet und nicht nur einen ihrer isolierten Schritte, zum Beispiel den Verkauf des Produkts. Es berücksichtigt somit den gesamten Lebenszyklus von Produkten und deren Materialien sowie deren wirtschaftlichen, aber auch ökologischen und sozialen Auswirkungen.


In einer Kreislaufwirtschaft müssen Produkte von vornherein so konzipiert sein, dass sie lange genutzt, repariert, recycelt und anschliessend unbeschadet in die Natur zurückgegeben werden können. Berufe, die mit Technik und Design zu tun haben oder Chemie- oder Biologiekenntnisse beinhalten, werden auf allen Bildungsebenen eine wichtige Rolle im Ökodesign spielen. Darüber hinaus werden vertiefte Kenntnisse über Recycling- und biologische Abbauprozesse benötigt. Es ist zu erwarten, dass die nachhaltigsten Materialien, z.B. Holz, an Bedeutung gewinnen werden, ebenso wie das entsprechende Handwerk.


Mit der Kreislaufwirtschaft wird eine Renaissance des Reparatursektors erwartet, mit allen dazugehörigen Arbeitsplätzen und technischen Fähigkeiten. Während die Produkte länger genutzt werden, werden die Wartungsaufgaben wichtiger.


Die Sharing Economy, die die Nutzung von Produkten optimiert und gleichzeitig Ressourcen spart, ist ein Geschäftsmodell, das ebenfalls wachsen dürfte. Es erfordert besondere Fähigkeiten im Bereich der Beratung und der Kundenbeziehungen, die auch in der Sharing Economy immer relevanter werden. Der wirtschaftliche Austausch zwischen Unternehmen und ihren Kunden sollte in der Tat über längere Zeiträume stattfinden und mehr Nachbereitung beinhalten.


Auch digitale Fähigkeiten werden wahrscheinlich zunehmend gefragt sein, vor allem in der Sharing Economy, die in der Regel die Nutzung digitaler Plattformen beinhaltet. Diese Fähigkeiten werden auch insofern wichtig sein, als die Rückverfolgbarkeit von Produkten und die Transparenz in der Lieferkette zunehmend gefordert werden. Dies impliziert eine Stärkung der Logistik, der Nachverfolgung und der Verwaltung von Waren, was durch die Digitalisierung erleichtert werden soll. Schliesslich müssen Unternehmen möglicherweise neue Aktivitäten im Bereich des Abfall- bzw. Materialmanagements übernehmen, da diese recycelt werden müssen. Sie werden Mitarbeiter mit Fähigkeiten in diesem Bereich benötigen.


Bildungsanbieter auf allen Ebenen werden diese Entwicklungen berücksichtigen und die Inhalte ihrer Kurse entsprechend anpassen müssen. Ebenso sollten diejenigen, die eine Beschäftigung suchen, bereits die Fähigkeiten erwerben, die in Zukunft stärker gefragt sein werden.


Die OdA Umwelt mit ihrer Plattform umweltprofis.ch wird sich dafür einsetzen, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu begleiten.


Für weitere Informationen:


Dieser Artikel stellt die Schlussfolgerungen eines Workshops zum Thema Kreislaufwirtschaft und Berufsbildung vor, der im Rahmen von SHIFT Switzerland, einer von Circular Economy Switzerland organisierten Veranstaltung, stattfand.

Neben der OdA Umwelt waren unter anderem Education21, ecos, sanu durabilitas, Pusch und das BAFU beteiligt.