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Die Gesichter hinter den Berufen

"Durch das Kajakfahren fühlte ich mich schon immer mit Gewässern verbunden."

Marit Richter realisiert, führt und entwickelt beim Ingenieurbüro EichenbergerRevital in Chur Wasserbauprojekte. Ob Gewässerrevitalisierung, Hochwasserschutz oder Wildbachverbau – ihre Wirkungsfelder sind vielfältig. Im Gespräch mit Umweltprofis.ch sprach sie über ihren Werdegang, die Folgen des Klimawandels und Barack Obama.

Marit Richter an ihrem Arbeitsplatz in Chur. (Bild: Michael Heger)

Frau Richter, hatten Sie als Kind einen Traumberuf?

Als kleines Kind nicht. Aber ich hatte schon früh einen engen Bezug zum Wasser, da ich gerne Kajak gefahren bin. Dabei musste ich das Kajak oft um gefährliche von Menschenhand erstellte Hindernisse tragen, und dachte mir, dass die Flüsse eigentlich so gebaut werden sollten, dass das nicht mehr nötig ist.

 

Wie sind sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich habe den klassischen Weg gewählt – über die Matura zum Bauingenieursstudium. All dies im Wissen, dass ich mich auf Wasserbau spezialisieren will. Mit einem kurzen Umschweif über den Tunnelbau bin ich dann auch dort gelandet, wo ich hin wollte.

 

Wie sieht ein durchschnittlicher Tag in Ihrem Berufsleben aus?

In der Regel schaut kein Tag aus wie der andere. Die Wasserbaubranche ist sehr abwechslungsreich. Der Arbeitsalltag ist hier in den Bergen stark jahreszeitenabhängig: Im Winter und im Sommer sind wir hauptsächlich im Büro, da dann die Gewässer jeweils verschneit sind oder zu viel Wasser führen. Im Herbst und im Frühjahr nach der Schneeschmelze sind wir oft auf Baustellen und an den Gewässern zu finden. Die Büroarbeit besteht in der Regel aus Abklärungen im Internet, Anrufe bei Ämtern, Zeichnungen vorbereiten, Berechnungen machen, Berichte schreiben, Sitzungen organisieren und vieles mehr.

 

Haben Sie ein Lieblingsprojekt?

Die besten Projekte sind die, welche ich von der Konzeptstudie bis zur Umsetzung begleiten kann und man am Ende dann das Resultat „in Natura“ sieht.

 

Was ist das Mühsamste an Ihrer Arbeit?

Das Mühsamste an der Arbeit im Wasserbau ist wohl die lange Zeitdauer von der Idee eines Projektes, über die Baubewilligung bis zur tatsächlichen Umsetzung. Das kann einige Jahre dauern, daran muss man sich erst gewöhnen.

 

Auf welche Tools können Sie im Berufsalltag nicht verzichten?

Im Büro natürlich auf den Computer, Berechnungsprogramme und das Telefon. Auch Bücher, Literatur und der Austausch mit den Arbeitskollegen und -kolleginnen sowie den Menschen vor Ort ist wichtig, da jedes Gewässer unterschiedlich ist. Auf dem Feld sind vor allem der Fotoapparat und das Messband unentbehrlich, da aber die Gewässer meist grossräumig sind, vermessen wir diese in der Regel nicht selbst, sondern sind auf Vermessungsbüros angewiesen, welche uns die nötigen Daten liefern.

 

Wo holen Sie sich die Motivation und Inspiration für Ihre Arbeit?

Die Arbeit ist per se sehr spannend, da man mit etwas Lebendigem arbeitet. Durch das Kajakfahren fühlte ich mich schon immer mit Gewässern verbunden. Auch heute noch inspiriert es mich, am Wasser oder auf einem Boot unterwegs zu sein.

 

Aus welchen Quellen im Internet informieren Sie sich zum Thema Wasserbau oder Umwelt allgemein?

Die jährlichen Weiterbildungen (Kurstagungen) sind für einen Austausch sehr wichtig. Die Erstinformationen zu einem Gewässer findet man auf den GIS-Portalen (Geografische Informationssysteme) des Bundes, der Kantone und der Gemeinden.

 

Welche Trends werden die Wasserbau-Branche in naher Zukunft am meisten beeinflussen?

Die Folgen des fortschreitenden Klimawandels. Dazu gehören der Schneerückgang, die veränderte Hochwassersituation, mehr Starkniederschläge im Sommer aber auch mehr Trockenperioden –einiges davon spüren wir bereits heute. Die damit verknüpften Fragestellungen der Wasserzuteilung und -verteilung werden uns in den nächsten Jahren sehr beschäftigen. Auch das mittlerweile nicht mehr ganz so neue Gewässerschutzgesetz hat einen Einfluss auf die Branche –insbesondere der Sanierungsgrundsatz. Zusätzlich wird jedes neue Hochwasser die Branche beeinflussen.

 

Mit welcher Person würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten?

Barack Obama – der macht einen so ruhigen und besonnenen Eindruck. Es muss sehr gewinnbringend und angenehm sein, mit so jemandem zusammenzuarbeiten.

 

Gibt es ein Buch oder einen Film welches/n Sie Menschen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, ans Herz legen möchten?

Es gibt viele spannende Bücher über die Gewässer im Graubünden oder der Schweiz. „Graubünden – Das blaue Wunder“ von Ernst Bromeis zum Beispiel oder das Buch „Befreite Wasser - Entdeckungsreisen in revitalisierte Flusslandschaften der Schweiz“ von Markus Hostman und Andrea Knutti, aber auch „Gewässerperlen, die schönsten Flusslandschaften der Schweiz“ von Urs Fitze und Martin Arnold. Darin werden sehr schöne Bilder gezeigt. In Sachen Naturfilmen blieben mir der Film „More than Honey“ oder „Madagaskar“ deutlich in Erinnerung.

Weiterführende Links:

Studienrichtung Bauingenieurwissenschaften

Öffentliche GIS Portale 
 

Buchtipps:

Graubünden - Das blaue Wunder 

Befreite Wasser

Gewässerperlen, die schönsten Flusslandschaften der Schweiz  

 

Filmtipps:

More than Honey 

Madagascar 

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