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 WEITERBILDUNGEN 

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Die Gesichter hinter den Umweltberufen.

"Die Erkenntnis, dass die Ressourcen endlich sind, wird langfristig auch die Architektur stärker beeinflussen."

Michal Zelouf setzt mit ihrer Firma mz_architektur+design auf natürliche Baustoffe für ein gesundes Raumklima. In Ihrer Arbeit sucht sie den kreativen Freiraum und wehrt sich gegen das «Missionieren».

 

Die besten Projekte entstehen im Austausch mit anderen Akteuren, ist Michal Zelouf überzeugt. Deshalb hat sie sich an der Amerbachstrasse in Basel mit anderen Architekturbüros zu einer Bürogemeinschaft zusammengeschlossen. Ursprünglich hat Michal Zelouf Hochbauzeichnerin gelernt. Nach Erfahrungen im Flugzeuginnenausbau und verschiedenen Projekten im Ladenbau entschied sie sich, eine Weiterbildung als Natur- und Umweltfachfrau bei der sanu in Biel zu absolvieren. Mittlerweile hat sie ihre eigene Firma mz_architektur+design gegründet und versucht - wann immer möglich - die ökologische Seite von Bauprojekten hervorzuheben. Umweltprofis.ch sprach mit Michal Zelouf über ihren Berufsalltag, kreative Freiräume und die Grenzen der Sensibilisierung für Umweltthemen.  

Michal Zelouf in ihrem Büro in Basel. (Bild: Michael Heger)

 

Frau Zelouf, was war der ökologische Wendepunkt in Ihrer Laufbahn?

Ich vermisste das ökologische Denken in meinen bisherigen Tätigkeiten. Deshalb habe ich mich entschieden, die Weiterbildung bei der sanu in Angriff zu nehmen. Dort habe ich mir ökologisches Fachwissen angeeignet und viele interessante Leute kennengelernt. Durch die generalistische Ausrichtung vermittelt der Lehrgang Einblicke in alle Bereiche der Natur und Umwelt und macht so Zusammenhänge und entsprechende Konsequenzen sichtbar. Als Diplomarbeit erstellte ich eine Broschüre über Lehm als nachhaltigen Baustoff.

Wie sieht ihr Berufsalltag aus?

Den typischen Berufsalltag gibt es bei mir nicht. Jeder Tag ist ein bisschen anders. Mein Beruf umfasst viele verschiedene Tätigkeiten wie Verhandlungen für Projekte mit den Kunden selbst oder ihren Vertretern, Projektsitzungen mit Unternehmern und Fachplanern oder Bauleitungsaufgaben. Des Weiteren natürlich Entwurf- und Zeichnerarbeiten, sowie der ganze finanzielle Aspekt vom Offertwesen bis zur Abrechnung, aber auch Grafikarbeiten und vieles mehr. Da die Projekte nicht immer in der Region Basel sind, sondern irgendwo in der Schweiz, ist mein Tag oftmals mit Reisen verbunden.

 

In welcher Form kommt der ökologische Aspekt in Ihrer Arbeit zum Tragen?

Wenn immer möglich, versuche ich, die ökologische Seite des Bauens hervorzuheben und die Bauherrschaft für dieses Thema zu sensibilisieren. Ich wehre mich aber ein bisschen gegen das «Missionieren». Mir ist es wichtig, dass ich niemandem etwas aufschwatze, was dieser Person nicht entspricht oder sie nicht davon überzeugt ist. Ökologisches Bauen ist aufwändiger und hat seinen Preis. Wenn das Grundverständnis und die Überzeugung von Seiten der Bauherrschaft nicht da sind, eckt man nur an. Ist das Bedürfnis da, unterstütze ich das jedoch gerne, pushe das Thema und zeige auf, was man alles ökologischer gestalten kann.

 

Haben Sie ein persönliches Lieblingsprojekt, an dem Sie gearbeitet haben?

Ein ganz schönes Projekt war der Neubau eines Mehrfamilienhauses. Da gab es eine tolle Bauherrschaft, die uns sehr viel Freiraum gegeben hat, wo ich sehr viele Ideen einbringen konnte und die Leute am Schluss sehr zufrieden waren. Das ist immer schön zu erleben. Das sind klar interessantere Projekte, als diejenigen mit wenig Verständnis für Ästhetik und Offenheit für Alternativen. Platz für Kreativität und Vertrauen sind mir wichtig.

 

Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Ich schätze die Vielfältigkeit meines Berufs und den Kontakt zu Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Obwohl dies zum Teil eine Herausforderung ist, möchte ich es nicht missen. Ausserdem ist es immer wieder schön zu sehen, wie die Arbeit in ihren Teilschritten umgesetzt wird und was am Schluss dabei rauskommt.

 

Was ist das Schwierigste in Ihrem Beruf?

Ganz klar die Budget-Diskussionen; insbesondere das Statement, dass kein Budget für dies oder jenes eingerechnet wurde. Es geht hier oftmals nicht um die Sache selbst, sondern stellt eine Haltung dar. Das kann schon sehr anstrengend sein. Dann gibt es natürlich auch nervenaufreibende zwischenmenschliche Situationen gerade auf der Baustelle, die es zu lösen gilt.

 

Auf was für Tools können Sie in Ihrem Alltag nicht verzichten?

In erster Linie sind dies natürlich der Computer und das Telefon. Wir bewegen uns in einer digitalen Welt. Es wäre Augenwischerei, zu sagen, dass wir ab jetzt nur noch Zeichnungen von Hand machen. Ohne Computer funktioniert es nicht. In meinem Alltag ist er zusammen mit dem Telefon das wichtigste Instrument. Dazu gehören alle notwendigen Programme wie ArchiCAD, Vektorworks, Autocad, die ganze Adobe Palette mit Indesign, Photoshop etc. sowie Programme für die Bauadministration.

 

Wo holen Sie sich die Motivation und Inspiration für Ihre Arbeit?

An Fachveranstaltungen oder Architekturanlässen. Dort sieht man, was die Kolleginnen und Kollegen machen. Und dann muss man natürlich immer die Augen offen halten - zum Beispiel draussen in der Natur, in anderen Städten etc.

Michal Zelouf im Gespräch mit ihrem Büro-Nachbarn, dem Architekten Philipp Howald (Bild: Michael Heger)

 

Aus welchen Quellen im Netz informieren Sie sich zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen?

Einerseits aus dem Newsletter bzw. der Fachzeitschrift der FachFrauen Umwelt, bei denen ich schon mehrere Jahre Mitglied bin. Andererseits bietet die IG Lehm im Bereich Lehmbau sehr viele Informationen. In der Architektur gibt es eine ganze Palette an Fachzeitschriften. Ich lese ganz gerne «werk, bauen + wohnen», «Hochparterre» und «DETAIL».

 

Welche Trends werden Ihre Branche am stärksten beeinflussen?

In erster Linie die Digitalisierung. Ich hoffe natürlich auch, dass Nachhaltigkeitsthemen eine immer grössere Rolle spielen. Die Erkenntnis, dass die Ressourcen endlich sind und der Klimawandel immer mehr zu spüren ist, wird langfristig auch die Architektur stärker beeinflussen.

 

Gibt es eine Person, mit der Sie gerne mal zusammenarbeiten würden?

Nein, ich bin kein Fan einer bestimmten Person. Ich denke, so etwas ergibt sich von selbst. Ich hatte ein ganz schönes Erlebnis letztes Jahr mit einer Frau, die mich über die FachFrauen Umwelt kontaktiert hatte. Sie stand vor dem Umbau ihrer Eigentumswohnung und benötigte eine professionelle Beratung und Begleitung der auszuführenden Arbeiten. Es war ihr wichtig, dass eine Frau diese Aufgaben übernimmt. Obwohl wir uns vorher überhaupt nicht kannten, hat sich daraus eine schöne Zusammenarbeit entwickelt. Diese Art von Begegnungen macht Freude.

 

Welche Bücher oder Filme würden Sie nachhaltigkeitsinteressierten Menschen ans Herz legen?

Ich habe letztes Jahr einen tollen Film gesehen über Didi Contractor. Sie ist eine deutsch-amerikanische Architektin, die in Indien seit mehr als zwanzig Jahren auf natürliche Materialien wie Lehm, Bambus oder Schiefer setzt. In ihrer Vision von nachhaltigem Bauen soll sich ein Haus nahtlos in die Landschaft einfügen und so zu sagen mit ihr verschmelzen. Didi Contractor ist eine sehr inspirierende Frau. Ich empfehle jedem, der sich für nachhaltiges Bauen interessiert, diesen Film zu schauen. Die Energie, die diese Frau auch im hohen Alter noch an den Tag legt, ist beeindruckend. Leuten, die mehr über das Thema Lehmbau wissen möchten empfehle ich ausserdem das Buch «Vielseitigkeit Lehm». Darin werden 22 Menschen aus dem Bereich Lehmbau porträtiert und ihre Ansichten und Meinungen aufgezeigt. 

Weiterführende Links:

Flyer – Bauen mit Lehm

Lehrgang Natur- und Umweltfachmann/-frau

 

Buchtipp:
Vielseitigkeit Lehm – Das Lehmbuch der Schweiz
 

Filmtipp:

Didi Contractor – Leben im Lehmhaus

Genannte Akteure und Organisationen:

mz_architektur+design  

FachFrauen Umwelt

IG Lehm

Sanu Future Learning AG

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